Nischenwahl
Profitable Nischen finden
Nachfrage prüfen, Wettbewerb einschätzen, Absicht verstehen: das Verfahren, mit dem wir Themen bewerten, bevor die erste Zeile geschrieben wird.
Mehrere Themen stehen zur WahlNachfrage, Wettbewerb, Zugang, ErlöswegDie meisten fallen dabei herausWas bleibt, ist begründet – nicht garantiert
Was eine Nische tragfähig macht
Eine Nische ist nicht deshalb gut, weil sie klein ist. Sie ist gut, wenn drei Dinge zusammenkommen: Es gibt Menschen, die etwas wissen wollen. Die vorhandenen Antworten sind schwach. Und aus der Frage lässt sich ein Geschäft ableiten – sei es ein Auftrag, ein Verkauf oder eine Empfehlung.
Fehlt einer dieser drei Punkte, entsteht eine Seite, die entweder niemand sucht, gegen die niemand ankommt oder die nichts einbringt. Alle drei Fälle sind teuer, weil der Aufwand für gute Inhalte derselbe bleibt.
Das folgende Verfahren wenden wir an, bevor wir eine Domain registrieren. Es ist bewusst nüchtern: Am Ende steht eine Entscheidung für oder gegen ein Thema, keine Begeisterung.
Schritt 1: Nachfrage prüfen
Zuerst die Frage, ob überhaupt gesucht wird. Dabei geht es nicht um eine einzelne Zahl, sondern um ein Muster.
Suchvolumen als Größenordnung, nicht als Wahrheit. Jedes Keyword-Tool schätzt. Die Zahlen weichen zwischen Anbietern erheblich ab, weil die Datenquellen unterschiedlich sind. Für eine Nischenentscheidung reicht die Größenordnung: Sind es Dutzende, Hunderte oder Tausende Suchanfragen im Monat? Welche Werte dabei wie zustande kommen, steht im Vergleich der Keyword-Recherche-Tools.
Breite statt Spitze. Entscheidend ist selten das eine große Hauptkeyword, sondern die Menge der Nebenfragen. Ein Thema mit einem Begriff, zu dem 5.000 Menschen im Monat suchen, aber keinen Anschlussfragen, trägt keine Seite. Ein Thema mit vierzig Fragen zu je 50 Suchanfragen trägt eine.
Beständigkeit prüfen. Saisonale Ausschläge sind in Ordnung, sinkende Kurven über Jahre sind ein Warnsignal. Google Trends genügt für diese Einschätzung und kostet nichts.
Praxisbeispiel: Bei catchdomain.at war das Hauptkeyword klein. Getragen hat das Projekt die Breite: Für jede Domainendung gelten eigene Fristen, und jede dieser Fragen wird einzeln gesucht. Zehn Endungen ergaben zehn eigenständige Einstiegsseiten.
Schritt 2: Wettbewerb einschätzen
Hier hilft kein Zahlenwert, sondern das Ansehen der Ergebnisse. Wir geben die wichtigsten fünf bis zehn Suchbegriffe ein und schauen uns an, was auf den ersten beiden Seiten steht.
- Wer steht dort? Große Portale, Behörden und Wikipedia sind schwer zu verdrängen. Stehen dort Foren, alte Blogbeiträge und dünne Ratgeberseiten, ist Platz.
- Beantworten die Treffer die Frage? Sehr oft nicht. Ein Ergebnis, das die Frage nur streift, ist eine Lücke – auch wenn die Domain groß ist.
- Wie alt sind die Inhalte? Bei Themen mit Fristen, Preisen oder Rechtslage ist Aktualität ein eigener Hebel.
- Gibt es Werkzeuge? Wo alle nur schreiben, gewinnt ein Rechner. Wo alle rechnen lassen, gewinnt eine Erklärung.
Schwierigkeitswerte aus Tools sind für diesen Schritt nur ein Vorfilter. Sie sagen nichts darüber, ob ein Treffer die Frage inhaltlich trifft – und genau darauf kommt es an.
Schritt 3: Die Absicht hinter der Suche verstehen
Zwei Suchanfragen mit gleichem Volumen können völlig unterschiedlich wertvoll sein. Entscheidend ist, was jemand danach tun will.
- Wissen wollen. Gut für Reichweite und Vertrauen, selten direkt für Umsatz.
- Etwas erledigen wollen. Umrechnen, prüfen, planen. Diese Absicht wird am besten mit einem Werkzeug bedient – so entstand holzrechner.de.
- Vergleichen wollen. Kurz vor einer Entscheidung. Hoher Wert, aber auch der härteste Wettbewerb.
- Kaufen oder beauftragen wollen. Kleinste Menge, größter Wert pro Besuch.
Eine tragfähige Nische deckt mehrere dieser Absichten ab und führt sie sinnvoll ineinander über. Wer nur Wissensfragen beantwortet, bekommt Besucher, aber keine Anfragen. Wer nur Kaufabsicht bedient, hat zu wenig Substanz, um überhaupt gefunden zu werden.
Schritt 4: Das Geschäftsmodell dahinterlegen
Bevor die erste Zeile entsteht, muss klar sein, wie die Seite später etwas einbringen soll. Nicht wie viel – das lässt sich seriös nicht vorhersagen –, sondern auf welchem Weg.
- Eigene Dienstleistung. Die Seite bringt Anfragen. Das funktioniert nur, wenn das Thema nah genug an dem liegt, was Sie anbieten.
- Empfehlungen und Affiliate. Braucht Produkte mit echter Kaufabsicht und ein passendes Netzwerk. Welche es gibt und wie sie sich unterscheiden, steht unter Affiliate-Netzwerke für Nischenseiten.
- Werbeplätze. Erst ab spürbarer Reichweite sinnvoll und kennzeichnungspflichtig.
- Verkauf der Seite. Ein Ziel, kein Plan – und abhängig von belegbaren Zahlen über einen längeren Zeitraum.
Bei sensiblen Themen kommt eine weitere Frage dazu: Was darf man überhaupt behaupten? Bei alkomat.at war die Antwort, auf die griffigen Formulierungen zu verzichten, mit denen sich in dieser Nische besser ranken ließe. Die Seite verliert dadurch Reichweite – und ist trotzdem richtig gebaut.
Schritt 5: Der eigene Zugang
Der Schritt, den die meisten Anleitungen weglassen. Zu jedem Thema lässt sich recherchieren, aber nicht zu jedem lässt sich etwas schreiben, das über die vorhandenen Quellen hinausgeht.
Die Prüffrage lautet: Kann ich zu diesem Thema etwas beitragen, das jemand ohne eigene Erfahrung nicht schreiben könnte? Das kann eine Berufserfahrung sein, ein eigener Datenbestand, ein Werkzeug, Zugang zu Fachleuten – oder schlicht die Bereitschaft, sich über Monate einzuarbeiten.
Fehlt dieser Zugang, entsteht eine Seite, die andere Seiten zusammenfasst. Davon gibt es genug, und sie altern schlecht.
Ein lokaler Zuschnitt ist dabei oft die ehrlichere Lösung als ein bundesweiter: kleinere Suchmenge, dafür ein Vorsprung, den Ortskenntnis gibt. saunawelt-augsburg.de ist nach diesem Muster gebaut.
Wann wir ein Thema fallen lassen
Die meisten Ideen überleben diese fünf Schritte nicht. Das ist der Sinn der Übung. Typische Abbruchgründe:
- Die ersten zehn Treffer beantworten die Frage bereits vollständig.
- Es gibt ein Hauptkeyword, aber keine Nebenfragen – die Seite bliebe eine Einzelseite.
- Die Nachfrage sinkt seit Jahren.
- Das Thema ist reglementiert und die tragenden Aussagen wären nicht zulässig. Was dabei zu prüfen ist, steht unter rechtliche Aspekte kommerzieller Websites.
- Niemand im Team hat einen eigenen Zugang zum Thema.
Ein Nein kostet einen Nachmittag. Ein falsches Ja kostet ein Jahr.
Das Verfahren als Checkliste
- Nachfrage: Gibt es neben dem Hauptbegriff mindestens zwanzig ernsthafte Nebenfragen? Ist die Kurve über drei Jahre stabil?
- Wettbewerb: Beantworten die ersten zehn Treffer die Frage wirklich? Wie alt sind sie? Fehlt ein Werkzeug?
- Absicht: Welche Absichten stecken dahinter, und lassen sie sich auf einer Seite sinnvoll verbinden?
- Geschäftsmodell: Auf welchem Weg soll die Seite etwas einbringen? Ist dieser Weg bei diesem Thema zulässig?
- Zugang: Können wir etwas beitragen, das reine Recherche nicht hergibt?
Fünf Mal Ja heißt: Domain prüfen und anfangen. Ein Nein reicht zum Abbruch.
Quellen
- Google Trends – Verlauf und Saisonalität von Suchanfragen – trends.google.de (öffnet in einem neuen Tab)
- Google Search Central: Hilfreiche, verlässliche und vorrangig für Menschen erstellte Inhalte – developers.google.com (öffnet in einem neuen Tab)
Lambertus Leo Kobes, Byte Media GmbH Baut und betreibt seit Jahren eigene Nischenseiten – die sieben Projekte unter Projekte stammen aus demselben Haus. Was hier steht, ist an diesen Projekten entstanden, samt der Fehler dabei. Erstellt am 13. September 2026, zuletzt geprüft am 13. September 2026.
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Schicken Sie Ihr Thema in einem Satz. Wir laufen die fünf Schritte durch und sagen ehrlich, ob es trägt – auch wenn die Antwort Nein lautet.